Vermüllung der Gewässer - bei Kindern fantasievoll ein Bewusstsein für Umweltschutz erwecken
Derzeit kann man sich einer Diskussion über die Vermüllung der Meere und Flüsse nicht mehr entziehen. Ich finde es erfreulich, dass dieses Thema endlich im Bewusstsein der Allgemeinheit angekommen ist. Hoffentlich trägt das zu einer Verbesserung für die tierischen und pflanzlichen Wasserbewohner bei. Mich beschäftigt das Thema schon lange, denn auch an Traumstränden waren die im Wasser dümpelnden Plastikprodukte nicht zu übersehen. Im Sommer 2016 schrieb ich diese Geschichte zum Vorlesen oder für kleine Selbstleser:
Seenot
![]() |
| Spiegeleiqualle |
Die glänzenden kleinen Fische schießen durch das
Wasser. Hoch und runter und um einen Stein herum. Hektisch sehen sie sich immer
wieder nach etwas um, das wie eine riesige dunkle Wolke aussieht. Es ist ein
Schwarm von großen Fischen, der immer näher kommt. Ängstlich suchen die
Fischlein nach einem Versteck. Doch hier gibt es weder Felsen noch Seegras.
Starr vor Schreck bleiben sie auf der Stelle stehen. „Wir werden sterben“,
jammert einer.
„Die haben fast unsere ganze
Familie gefressen. Jetzt holen sie sich den Rest“, heult ein anderer.
Plötzlich wird etwas über
sie gestülpt. „Was ist denn das?“, schreit einer.
„Ist das schon das Ende?“,
ruft ein anderes Fischlein. “Ist das ein Schirm? Oder eine Glocke?“
„Ihr müsst keine Angst
haben“, sagt eine wunderschöne Stimme. „Ich fresse euch nicht.“
„Wer bist du?“, ruft ein
Fischlein.
„Ich bin eine Qualle.“
Die Fischlein sehen sich
erstaunt an. Dann rufen sie im Chor: „Wie eklig!“
„Quallen sind doch giftig“,
sagt ein Fischlein und schwimmt von der Außenwand weg zur Mitte der Glocke.
„Ich habe mich über euch
gestülpt, um euch zu schützen. Die großen Fische haben Angst vor meinem Gift.“
„Wieso sollen wir dir
glauben?“, fragt das größte Fischlein und schwimmt vor seine Freunde. "Wir
kennen dich nicht."
„Bist du der Anführer?“,
fragt die Qualle.
Das Fischlein dreht sich zu
den anderen um. „Bin ich euer Anführer?“
Alle nicken.
„Also gut, ich bin der
Anführer.“
„Wie heißt du denn?“ fragt
die Qualle.
„Glitter.“
„Das ist ein schöner Name.
Der passt gut zu dir.“
„Und du, wie heißt du?“
„Wir Quallen haben keine
Namen. Wir haben ja nicht einmal ein Gehirn. Wie also sollen wir uns unsere
Namen merken?“
„Haben Fische ein Gehirn?“
„Kannst du dir deinen Namen
merken oder nicht? Kannst du. Also hast du ein Gehirn. Ein ganz kleines
allerdings.“
„Wie lange müssen wir denn
in dir bleiben?“, fragt Glitter.
„Bis die großen Fische weg
sind.“
„Ich kann hier gar nichts
sehen. Alles ist so glibberig. Woher weiß ich, dass du uns die Wahrheit sagst?
Vielleicht sind sie längst weg und du willst uns selber fressen.“
„Seht ihr die lila Punkte am
Ende meiner Tentakel?“
„Tenta was?“, fragt Glitter.
„Tentakel. Das sind meine
Fangarme.“
„Fangarme? So wie bei einem
Tintenfisch? Bei dir sind es bloß ganz viele dünne Fangfäden.“
„Du bist ganz schön
unhöflich, mein Kleiner! Passt auf: Wenn ihr bis zu den lila Punkten vorschwimmt,
könnt ihr nach draußen sehen, aber die Raubfische kommen nicht an euch heran.
Sie denken, dass ich mein Gift herausschleudere und halten Abstand.“
Glitter macht seinen
Freunden ein Zeichen, damit sie ihm folgen. Vorsichtig schwimmen sie in die
Tentakel, die mit den Bewegungen der Qualle hin- und herpendeln.
„Das ist ja ein richtiger
Dschungel hier. Kaum ein Durchkommen“, sagt ein ganz kleiner Fisch.
„Nun beschwer‘ dich noch, du
Zwerg“, sagt die Qualle.
„Ich habe auch einen Namen.
Ich heiße Glimmer.“
„Na, ob ich mir das alles
merken kann?“, murmelt die Qualle.
„Wo schwimmst du mit uns
hin?“, fragt Glimmer.
„Keine Ahnung! Müsst ihr
irgendwo hin?“
„Nein, nur weg von hier.“
Die Fischlein schwimmen
tiefer in die Qualle hinein.
„Und schon geht es los!“,
ruft sie fröhlich.
Gleichmäßig zieht sich ihr
Körper zusammen und entspannt sich wieder, als sie langsam durch das Meer
gleitet.
„Das nennt die schwimmen?“,
motzen die Fischlein. „Kein Wunder, dass es so langsam vorangeht.“
„Auch noch Ansprüche
stellen, ihr undankbaren Winzlinge“, sagt die Qualle. „Ich bin zwar keine
Ohrenqualle, aber das habe ich trotzdem gehört.“
Die Fischlein schwimmen
auseinander. Sie verständigen sich nur noch mit Zeichensprache.
Auf einmal bleibt die Qualle
stehen. „Pause, Jungs! Hier sind wir sicher. Wir haben sie abgehängt. Ihr könnt
ausschwärmen.“
Vorsichtig schwimmt Glitter
zu den lila Punkten, um zu sehen, ob die Qualle die Wahrheit gesagt hat. Doch
Glimmer schießt an ihm vorbei nach draußen. Er umrundet die Qualle und
betrachtet sie mit großen Augen. Dann hält er sich mit den Flossen den Bauch
vor Lachen.
„Was ist denn so lustig?“
fragt Glitter.
„Wir reisen in einem
Spiegelei!“
„Ein Spiegelei?“
„Die Qualle sieht wie ein
Spiegelei aus. Ist das komisch!“, lacht Glimmer. „Kommt alle raus und seht
selbst!“
Neugierig schwimmen die
Fischlein zu ihrem Freund. Einer nach dem anderen fängt zu lachen an.
„Lacht ihr über mich?“,
fragt die Qualle.
„Du siehst aus wie ein
Spiegelei“, sagt Glitter.
„Na und?“, antwortet die
Qualle kühl. „Ich bin schließlich eine Spiegeleiqualle. Wieso sollte ich nicht
so aussehen?“
„Entschuldige bitte, die
Jungs sind ein wenig albern. Sie sind noch so unerfahren und haben noch nicht
viel von der Welt gesehen. Und ganz bestimmt keine Spiegeleiqualle.“
„Ich muss jetzt etwas
essen“, sagt die Qualle. „Ihr könnt mitessen. Hier gibt es genug Plankton für
uns alle.“
Die Fische und die Qualle
beginnen mit dem Essen. Auf einmal fällt ein Schatten über die kleine Gruppe.
Alle schauen nach oben.
„Ein Mondfisch!“, schreit
die Qualle.
„Und?“, fragt Glitter.
„Der will mich fressen“,
ruft die Qualle. „Los, steigt ein!“
Die Fischlein schwimmen
zurück in die Glocke und die Qualle schwimmt los. Sie gleitet so schnell sie
kann durch den Ozean, doch der große Schatten lässt sich nicht abhängen. Er
bleibt die ganze Zeit über ihr.
„Kannst du ihn nicht
vergiften?“, ruft Glimmer.
„Nein, das Gift an meinen
Fangarmen macht ihm nichts.“
„Aber er hat doch keine
Schuppen.“
„Ein Fisch ohne Schuppen?“,
fragt ein dickes Fischlein. „Gibt es das?“
„Ja, er hat eine ganz dicke
Haut. Wie Leder. Da geht nichts durch.“
Auf einmal gibt es einen
Ruck und es wird dunkel. Die Qualle steht still im Wasser.
„Hat dich der Mondfisch
gefressen?“, ruft Glitter. „Sind wir dann auch gefressen worden und alle in
seinem Bauch?“
„Ich weiß auch nicht, was
los ist“, antwortet die Qualle. "Ich sehe nichts mehr und es geht nicht
weiter. Ich schwimme immer gegen etwas, aber ich weiß nicht, was es ist.“
„Sollen wir mal nachsehen?“,
fragt Glitter.
„Ja bitte, aber seid
vorsichtig“, sagt die Qualle.
Glitter macht einem moppeligen
Fischlein ein Zeichen, dass es mitkommen soll. Sie verlassen die Glocke durch
die Tentakel. Nach einer Weile hört man Glitters Stimme: „Qualle, du bist in
etwas drin. Aber ich weiß noch nicht in was. Dahinten ist ein Ausgang. Wir
schwimmen mal hin.“
Diesmal dauert es noch
länger. Die Fischlein im Innern der Qualle schlagen besorgt die Flossen
zusammen: „Wo die wohl bleiben? Hoffentlich ist nichts passiert!“
Glimmer wagt sich etwas aus
den Tentakeln hervor. „Ich sehe sie. Sie kommen zurück.“
Glitter und sein Begleiter
schwimmen in die Mitte der Gruppe. „Qualle ist in eine Plastiktüte geschwommen.
Wahrscheinlich hat sie sich gerade nach dem Mondfisch umgedreht und die Tüte
nicht gesehen.“
„Wie komme ich denn aus der
Tüte raus?“, fragt Qualle. Ich kann nicht einfach den Rückwärtsgang einlegen.“
„Du musst in der Tüte
drehen. Wir weisen dich ein“, sagt Glitters Begleiter.
„Aber vielleicht ist es
besser, noch ein wenig zu warten“, schlägt Glimmer vor. „Der Mondfisch wundert
sich bestimmt, wo du bist. Der kapiert nicht, dass du in der Tüte steckst und
sucht anderswo nach dir. Und wenn er weg ist, lotsen wir dich aus der Tüte.“
Sie warten eine halbe
Stunde. Dann wagen sich die Fischlein nach draußen und schauen sich um. „Qualle,
er ist weg“, ruft Glitter. „Du kannst drehen.“
„Du hast gut reden. Ich kann
nicht so einfach drehen. Hier ist kein Platz, ich kann mich kaum bewegen.“
„Wir helfen dir. Du schaffst
das schon.“
Die Fischlein verteilen sich
um die Qualle und geben ihr Anweisungen: „Nicht so weit nach vorne“ oder „nicht
so nah an die Wand“ und „ein wenig mehr nach links.“
Endlich ist es soweit. Die
Qualle flutscht aus der Plastiktüte. „Danke Jungs, ohne euch hätte ich das
nicht hingekriegt. Und dann wäre ich in der Tüte verhungert. Ich bin jetzt
schon so hungrig. Lasst uns unser Picknick fortsetzen. Ich besorge uns noch
etwas Plankton.“
Sie schwimmt näher an den
Grund heran.und wirbelt die kleinen Teilchen auf. Die Fische schlagen sich die
Bäuche voll. Dann kehren sie durch den Tentakelwald in die Quallenglocke zurück
und schlafen erschöpft ein.
Wer Lust auf mehr hat, dem empfehle ich den Blog-Eintrag "The making of Klitzekleine Kreaturen" oder gleich direkt "Klitzekleine Kreaturen - Ein Dutzend Geschichten zum Staunen und Träumen" zu erwerben. Es ist in allen gängigen E-Reader-Formaten erhältlich.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen