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Veröffentlichte Bücher: "Life on the Line - The heroic story of Vicki Moore" von Matilda Mench und "Rettet den Gnadenhof" von D.L.M. Mench, sowie Gute-Nachtgeschichten für Kinder usw.

Dienstag, 8. August 2017


Vermüllung der Gewässer - bei Kindern fantasievoll ein Bewusstsein für Umweltschutz erwecken



Derzeit kann man sich einer Diskussion über die Vermüllung der Meere und Flüsse nicht mehr entziehen. Ich finde es erfreulich, dass dieses Thema endlich im Bewusstsein der Allgemeinheit angekommen ist. Hoffentlich trägt das zu einer Verbesserung für die tierischen und pflanzlichen Wasserbewohner bei. Mich beschäftigt das Thema schon lange, denn auch an Traumstränden waren die im Wasser dümpelnden Plastikprodukte nicht zu übersehen. Im Sommer 2016 schrieb ich diese Geschichte zum Vorlesen oder für kleine Selbstleser:


Seenot


Spiegeleiqualle
Spiegeleiqualle

Die glänzenden kleinen Fische schießen durch das Wasser. Hoch und runter und um einen Stein herum. Hektisch sehen sie sich immer wieder nach etwas um, das wie eine riesige dunkle Wolke aussieht. Es ist ein Schwarm von großen Fischen, der immer näher kommt. Ängstlich suchen die Fischlein nach einem Versteck. Doch hier gibt es weder Felsen noch Seegras. Starr vor Schreck bleiben sie auf der Stelle stehen. „Wir werden sterben“, jammert einer.
„Die haben fast unsere ganze Familie gefressen. Jetzt holen sie sich den Rest“, heult ein anderer.
Plötzlich wird etwas über sie gestülpt. „Was ist denn das?“, schreit einer.
„Ist das schon das Ende?“, ruft ein anderes Fischlein. “Ist das ein Schirm? Oder eine Glocke?“
„Ihr müsst keine Angst haben“, sagt eine wunderschöne Stimme. „Ich fresse euch nicht.“
„Wer bist du?“, ruft ein Fischlein.
„Ich bin eine Qualle.“
Die Fischlein sehen sich erstaunt an. Dann rufen sie im Chor: „Wie eklig!“
„Quallen sind doch giftig“, sagt ein Fischlein und schwimmt von der Außenwand weg zur Mitte der Glocke.
„Ich habe mich über euch gestülpt, um euch zu schützen. Die großen Fische haben Angst vor meinem Gift.“
„Wieso sollen wir dir glauben?“, fragt das größte Fischlein und schwimmt vor seine Freunde. "Wir kennen dich nicht."
„Bist du der Anführer?“, fragt die Qualle.
Das Fischlein dreht sich zu den anderen um. „Bin ich euer Anführer?“
Alle nicken.
„Also gut, ich bin der Anführer.“
„Wie heißt du denn?“ fragt die Qualle.
„Glitter.“
„Das ist ein schöner Name. Der passt gut zu dir.“
„Und du, wie heißt du?“
„Wir Quallen haben keine Namen. Wir haben ja nicht einmal ein Gehirn. Wie also sollen wir uns unsere Namen merken?“
„Haben Fische ein Gehirn?“
„Kannst du dir deinen Namen merken oder nicht? Kannst du. Also hast du ein Gehirn. Ein ganz kleines allerdings.“
„Wie lange müssen wir denn in dir bleiben?“, fragt Glitter.
„Bis die großen Fische weg sind.“
„Ich kann hier gar nichts sehen. Alles ist so glibberig. Woher weiß ich, dass du uns die Wahrheit sagst? Vielleicht sind sie längst weg und du willst uns selber fressen.“
„Seht ihr die lila Punkte am Ende meiner Tentakel?“
„Tenta was?“, fragt Glitter.
„Tentakel. Das sind meine Fangarme.“
„Fangarme? So wie bei einem Tintenfisch? Bei dir sind es bloß ganz viele dünne Fangfäden.“
„Du bist ganz schön unhöflich, mein Kleiner! Passt auf: Wenn ihr bis zu den lila Punkten vorschwimmt, könnt ihr nach draußen sehen, aber die Raubfische kommen nicht an euch heran. Sie denken, dass ich mein Gift herausschleudere und halten Abstand.“
Glitter macht seinen Freunden ein Zeichen, damit sie ihm folgen. Vorsichtig schwimmen sie in die Tentakel, die mit den Bewegungen der Qualle hin- und herpendeln.
„Das ist ja ein richtiger Dschungel hier. Kaum ein Durchkommen“, sagt ein ganz kleiner Fisch.
„Nun beschwer‘ dich noch, du Zwerg“, sagt die Qualle.
„Ich habe auch einen Namen. Ich heiße Glimmer.“
„Na, ob ich mir das alles merken kann?“, murmelt die Qualle.
„Wo schwimmst du mit uns hin?“, fragt Glimmer.
„Keine Ahnung! Müsst ihr irgendwo hin?“
„Nein, nur weg von hier.“
Die Fischlein schwimmen tiefer in die Qualle hinein.
„Und schon geht es los!“, ruft sie fröhlich.
Gleichmäßig zieht sich ihr Körper zusammen und entspannt sich wieder, als sie langsam durch das Meer gleitet.
„Das nennt die schwimmen?“, motzen die Fischlein. „Kein Wunder, dass es so langsam vorangeht.“
„Auch noch Ansprüche stellen, ihr undankbaren Winzlinge“, sagt die Qualle. „Ich bin zwar keine Ohrenqualle, aber das habe ich trotzdem gehört.“
Die Fischlein schwimmen auseinander. Sie verständigen sich nur noch mit Zeichensprache.
Auf einmal bleibt die Qualle stehen. „Pause, Jungs! Hier sind wir sicher. Wir haben sie abgehängt. Ihr könnt ausschwärmen.“
Vorsichtig schwimmt Glitter zu den lila Punkten, um zu sehen, ob die Qualle die Wahrheit gesagt hat. Doch Glimmer schießt an ihm vorbei nach draußen. Er umrundet die Qualle und betrachtet sie mit großen Augen. Dann hält er sich mit den Flossen den Bauch vor Lachen.
„Was ist denn so lustig?“ fragt Glitter.
„Wir reisen in einem Spiegelei!“
„Ein Spiegelei?“
„Die Qualle sieht wie ein Spiegelei aus. Ist das komisch!“, lacht Glimmer. „Kommt alle raus und seht selbst!“
Neugierig schwimmen die Fischlein zu ihrem Freund. Einer nach dem anderen fängt zu lachen an.
„Lacht ihr über mich?“, fragt die Qualle.
„Du siehst aus wie ein Spiegelei“, sagt Glitter.
„Na und?“, antwortet die Qualle kühl. „Ich bin schließlich eine Spiegeleiqualle. Wieso sollte ich nicht so aussehen?“
„Entschuldige bitte, die Jungs sind ein wenig albern. Sie sind noch so unerfahren und haben noch nicht viel von der Welt gesehen. Und ganz bestimmt keine Spiegeleiqualle.“
„Ich muss jetzt etwas essen“, sagt die Qualle. „Ihr könnt mitessen. Hier gibt es genug Plankton für uns alle.“
Die Fische und die Qualle beginnen mit dem Essen. Auf einmal fällt ein Schatten über die kleine Gruppe. Alle schauen nach oben.
„Ein Mondfisch!“, schreit die Qualle.
„Und?“, fragt Glitter.
„Der will mich fressen“, ruft die Qualle. „Los, steigt ein!“
Die Fischlein schwimmen zurück in die Glocke und die Qualle schwimmt los. Sie gleitet so schnell sie kann durch den Ozean, doch der große Schatten lässt sich nicht abhängen. Er bleibt die ganze Zeit über ihr.
„Kannst du ihn nicht vergiften?“, ruft Glimmer.
„Nein, das Gift an meinen Fangarmen macht ihm nichts.“
„Aber er hat doch keine Schuppen.“
„Ein Fisch ohne Schuppen?“, fragt ein dickes Fischlein. „Gibt es das?“
„Ja, er hat eine ganz dicke Haut. Wie Leder. Da geht nichts durch.“
Auf einmal gibt es einen Ruck und es wird dunkel. Die Qualle steht still im Wasser.
„Hat dich der Mondfisch gefressen?“, ruft Glitter. „Sind wir dann auch gefressen worden und alle in seinem Bauch?“
„Ich weiß auch nicht, was los ist“, antwortet die Qualle. "Ich sehe nichts mehr und es geht nicht weiter. Ich schwimme immer gegen etwas, aber ich weiß nicht, was es ist.“
„Sollen wir mal nachsehen?“, fragt Glitter.
„Ja bitte, aber seid vorsichtig“, sagt die Qualle.
Glitter macht einem moppeligen Fischlein ein Zeichen, dass es mitkommen soll. Sie verlassen die Glocke durch die Tentakel. Nach einer Weile hört man Glitters Stimme: „Qualle, du bist in etwas drin. Aber ich weiß noch nicht in was. Dahinten ist ein Ausgang. Wir schwimmen mal hin.“
Diesmal dauert es noch länger. Die Fischlein im Innern der Qualle schlagen besorgt die Flossen zusammen: „Wo die wohl bleiben? Hoffentlich ist nichts passiert!“
Glimmer wagt sich etwas aus den Tentakeln hervor. „Ich sehe sie. Sie kommen zurück.“
Glitter und sein Begleiter schwimmen in die Mitte der Gruppe. „Qualle ist in eine Plastiktüte geschwommen. Wahrscheinlich hat sie sich gerade nach dem Mondfisch umgedreht und die Tüte nicht gesehen.“
„Wie komme ich denn aus der Tüte raus?“, fragt Qualle. Ich kann nicht einfach den Rückwärtsgang einlegen.“
„Du musst in der Tüte drehen. Wir weisen dich ein“, sagt Glitters Begleiter.
„Aber vielleicht ist es besser, noch ein wenig zu warten“, schlägt Glimmer vor. „Der Mondfisch wundert sich bestimmt, wo du bist. Der kapiert nicht, dass du in der Tüte steckst und sucht anderswo nach dir. Und wenn er weg ist, lotsen wir dich aus der Tüte.“
Sie warten eine halbe Stunde. Dann wagen sich die Fischlein nach draußen und schauen sich um. „Qualle, er ist weg“, ruft Glitter. „Du kannst drehen.“
„Du hast gut reden. Ich kann nicht so einfach drehen. Hier ist kein Platz, ich kann mich kaum bewegen.“
„Wir helfen dir. Du schaffst das schon.“
Die Fischlein verteilen sich um die Qualle und geben ihr Anweisungen: „Nicht so weit nach vorne“ oder „nicht so nah an die Wand“ und „ein wenig mehr nach links.“
Endlich ist es soweit. Die Qualle flutscht aus der Plastiktüte. „Danke Jungs, ohne euch hätte ich das nicht hingekriegt. Und dann wäre ich in der Tüte verhungert. Ich bin jetzt schon so hungrig. Lasst uns unser Picknick fortsetzen. Ich besorge uns noch etwas Plankton.“
Sie schwimmt näher an den Grund heran.und wirbelt die kleinen Teilchen auf. Die Fische schlagen sich die Bäuche voll. Dann kehren sie durch den Tentakelwald in die Quallenglocke zurück und schlafen erschöpft ein.

© 2016 Matilda Mench



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